Meinungsführermedien zeichnen sich u.a. dadurch aus, dass sie besonders oft zitiert werden. Am häufigsten zitierte Medien haben den größten Einfluss auf andere Medien und daher auch die größte Bedeutung innerhalb des Landes. Wichtig ist, dass die Wahl der analysierten Medien alle Teile der Gesellschaft repräsentiert. Da die übrigen Medien den Trends folgen, die von den meinungsführenden Medien gesetzt wurden, ist es nicht notwendig, alle Medien eines Landes zu codieren, wenn es darum geht, Medienwirkungen auf Volkes Meinung zu erfassen. Sie anhand von ihrer Online-Präsenz anstatt ihrer Wichtigkeit auszuwählen, ist kein guter Ansatz, um verlässliche Daten zu produzieren.
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Agenda Setting: Je intensiver die Medien über eine Geschichte berichten, desto wichtiger erscheint sie den Lesern und Zuschauern. Die Forschung hat gezeigt, dass Menschen sich entsprechend ihrem Medienkonsum verhalten: wenn die Medien mit einer entsprechenden kritischen Masse über ein Thema berichten oder entsprechende Urteile fällen, neigen die Menschen dazu, sich in diesem Sinne zu äußern oder gar zu verhalten. Beispiele von Agenda Setting:
Agenda Cutting: Da die Presse selektiv berichtet, wird ein Großteil der Realität nicht in den Medien abgebildet. Folglich erachten die meisten Menschen weggelassene Themen als unwichtig, oder erfahren erst gar nicht von ihrer Existenz. Dieses Phänomen nennen wir Agenda Cutting. Ein Beispiel ist die Berichterstattung über Krankheiten wie Malaria oder Bulemie. Beispiele von Agenda Cutting-Effekten:
Agenda Surfing: Medien folgen in der Regel Trends und schaffen damit Wellen von Themen. Diese inhaltlichen Auf- und Abwärtsbewegungen werden in der Regel von den Meinungsführermedien stimuliert. Wenn ALLE Artikel in den Meinungsführermedien ausgewertet werden, lässt sich voraussagen, welche Themen in naher Zukunft von allen Medien aufgegriffen und welche aus der Berichterstattung verschwinden werden. Der Agenda Surfing-Effekt kann dabei helfen, die richtigen Geschichten zur richtigen Zeit den richtigen (=dafür eine besondere Kompetenz oder daran ein besonderes Interesse habenden) Medien zu platzieren. Beispiele von Agenda Surfing-Effekten
Analysten sind Muttersprachler und haben durch ihren Universitätsabschluss in einem Fachbereich ein Grundwissen an analytischem Denkvermögen erworben. Da die Qualität der Analysedaten Grundvoraussetzung jeder wissenschaftlichen Arbeit ist, werden zumindest bei Media Tenor die Analysten nach den Ergebnissen der Inter-Coder Reliability-, Validitäts-, und Stichprobentests bezahlt. Diese Tests werden vierteljährlich im Media Tenor-Forschungsbericht veröffentlicht.
Wie garantiert Media Tenor die Genauigkeit seiner Daten ?
Media Tenors Inter-Coder Reliability (Genauigkeit der Daten) ist weit höher als in der "Branche" üblich (da außer Media Tenor weltweit kein anderes Haus die auftragsunabhängige vollumfängliche Medieninhaltsanalyse ausübt, verbietet sich eigentlich der Begriff "Branche" - zumal selbst an Universitäten noch nicht einmal die Hälfte alle Medieninhaltsanalysen den Inter-Coder-Reliabilitätswert ausweisen), da das Codiersystem potenzielle Auswirkungen persönlicher Meinungen auf ein Minimum reduziert. Media Tenor zieht qualitative Schlussfolgerungen aus wissenschaftlich fundierten, quantitativen Informationen. Für seine Transparenz und Verlässlichkeit in der Agenda Setting-, Agenda Cutting- und Agenda Surfing-Forschung wird es international anerkannt.
Das Codebuch ist die Grundlage der Medieninhaltsanalyse. Das Media Tenor-Codebuch bezieht sich nicht nur auf Themen, Protagonisten oder Quellen, die in den Medien auftauchen, sondern versucht zunächst einmal alle möglichen Protagonisten, Regionen, Institutionen, Themen zu erfassen, die für die Bereiche Politik, Gesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft relevant sind. Als Beispiel: im Codebuch sind nicht nur die Mitglieder des Bundestages, über die in den Medien berichtet wird, sondern alle 598 MdB's, die seit der 15. Legislaturperiode im Parlament vertreten sind. Oder nicht nur die Universitäten, mit denen die Medien sich beschäftigen, sondern alle - nicht nur in Deutschland. Es wurde gemeinsam mit dem Wissenschaftlichen Beirat vom Media Tenor entwickelt, um alle Sachverhalte, Themen und Protagonisten möglichst vollständig abzubilden, die politisch, wirtschaftlich und gesellschaftlich relevant sind. Das Codierbuch wurde 1993 erstellt und seitdem täglich auf den neuesten Stand gebracht. Es enthält mittlerweile 115.000 Kennzahlen, wobei jede einzelne in logische Kategorien eingeordnet ist, welche die Wirklichkeit und Medieninhalte widerspiegeln.
Jedes Codebuch, das sich ausschließlich auf ausgewählte Themen und Protagonisten aus Medieninhalten bezieht, kann nicht beantworten, worüber die Medien berichten und worüber nicht. In solchen Fällen können Agenda Setting- und Agenda Cutting-Effekte nicht bestimmt werden.
Media Tenor analysiert deutsche wie internationale Print-, TV-, Radio- und Online-Medien, Newsgroups und Blogs. Lokale, nationale und globale Medien werden über Nacht gesammelt und für die Codierer vorbereitet. Media Tenor benutzt nur die originalen Printausgaben und Sendungen, um eine hohe Datenqualität zu garantieren. Elektronische Zeitungsausgaben werden nur verwendet, wenn sie als sogenanntes E-Paper zu 100 Prozent mit den Printausgaben übereinstimmen – was gewöhnlich nicht der Fall ist, und weshalb elektronische Quellen nicht sehr oft benutzt werden. Für jedes Land haben wir eine Reihe von Meinungsführermedien definiert, um den Einfluss dieser Medien auf die öffentliche Wahrnehmung zu untersuchen. Das ist der Agenda Setting-Ansatz. Liste der analysierten Medien
Was ist der Unterschied zwischen menschlichen Codierern und computergestützter Inhaltsanalyse?
Von Anfang an waren bei Media Tenor professionell ausgebildete Analysten für die Medienanalyse verantwortlich. Obwohl nicht nur in USA viel Geld in die Forschung und Anwendung von künstlicher Intelligenz gesteckt wurde, gibt es nach wie vor keine Software, die insbesondere mit dem Assoziationsvermögen des menschlichen Gehirns konkurrieren kann. Softwareanalyse spart vielleicht Kosten. Doch die digital erzeugten Daten sind nicht präzise genug, um relevante Inhaltsanalysen erstellen zu können, anhand derer z.B. im Rahmen der Agenda Setting Forschung deren Einfluß auf "Volkes Meinung" im allgemeinen sowie konkretes Verhalten vorhergesagt werden kann oder Risiken z.B. für die Reputation von Organisationen oder Personen zu erforschen. Mehr, siehe Literaturnachweise
Media Tenor unterstützt junge Wissenschaftler, indem es ein- bis dreijährige Promotionspraktika anbietet. Junge Forscher werden in das Forschungsteam integriert, haben Zugang zu nationalen wie internationalen Daten, besuchen gemeinsam mit den Media Tenor Researchern wissenschaftliche Konferenzen und erhalten die Möglichkeit, in ihrer Aufgabe zu wachsen und sich persönlich zu entwickeln. Viele Studenten finden nach Abschluss ihres Studiums einen Platz innerhalb des Instituts. Wenn Sie Interesse haben, senden Sie uns Ihre Bewerbungsunterlagen, einschließlich Lebenslauf, Erklärung Ihrer Motivation und des Forschungsthemas.
Nein. Media Tenor führt tagesaktuell wissenschaftliche Analysen unterschiedlichster Medien durch. Der Inhalt jedes Berichts wird analysiert: Protagonisten, alle Themen, Orte, explizite und implizite Bewertungen, die Identität, das Geschlecht und die Nationalität der Quellen sowie alle anderen einschlägigen Informationen werden in eine international vernetzte Datenbank eingegeben. Einige Themengebiete werden sogar noch detaillierter kodiert, so dass alle Aspekte komplett für jede Aussage dokumentiert werden. Dies garantiert eine genaue Darstellung, wie oft bestimmte Themen, Protagonisten und Orte erwähnt werden. Bei Bedarf werden die Originaltexte zur Überprüfung der Analyse zur Verfügung gestellt.
Media Tenor begann als Non-Profit-Organisation. Doch schon bald stellte sich heraus, dass es von dem Wohlwollen einzelner Spender abhängig war – was die Gründer darin bestätigt, daß es seine Unabhängigkeit nur behalten kann, wenn es seine eigene Forschung finanziert und ein Auskommen hat. Heute verkauft Media Tenor Forschungsberichte und –magazine und wird als unabhängiges Institut geführt. Ungefähr 30 Prozent der Forschung unternimmt es für Kunden (Organisationen, die für das Verfolgen von Medieninhalten und deren Analyse bezahlen), und finanziert so die anderen 70 Prozent unabhängiger Forschung. Für das Jahr 2007 ist die Gründung der Media Tenor Stiftung vorgesehen, um bis spätestens 2015 alle heute durchgeführten Studien allein aus dem Stiftungsvermögen bestreiten zu können.
Die Gesamtbewertungen (positiv, neutral oder negativ) werden durch den Inhalt des Textes und die von dem Journalisten verwendeten Worte bestimmt. Der Analyst hält sich dabei an äußerst strenge Kriterien, die es ihm nicht erlauben, persönliche Meinungen oder sein eigenes Urteil in die Analyse einfließen zu lassen. Die Bewertungen leiten sich ab aus einer Verbindung von Kontext (wenn der Inhalt in einen positiven oder negativen Kontext eingebettet ist) und expliziten Wertungen (wenn der Journalist Worte benutzt oder zitiert, die ein eindeutig positives oder negatives Urteil enthalten). Aufgrund dieses Ansatzes ist sichergestellt, daß individuelle Ansichten, parteipolitische Vorlieben zumindest während des Vorgangs der Analyse "außen vor" bleiben: dank der regelmäßig durchgeführten Inter-Coder-Reliabilitätstests sowie der permanenten Stichproben wird dies kontinuierlich überprüft.