Zürich, 08.09.2008: Sieben Monate dauerte das Rückzugsgefecht des am Sonntag zurückgetretenen SPD-Vorsitzenden Kurt Beck. Seit seiner Entscheidung im Februar, dem Hessischen Landesverband der Sozialdemokraten einen Blanko-Scheck für Verhandlungen mit der Linkspartei auszustellen, stand Beck unausgesetzt in der Kritik. Dies zeigen die neuesten Daten des Zürcher Forschungsinstituts MEDIA TENOR. Stetig sinkende Umfragewerte und fortdauernde Angriffe aus den eigenen Reihen dominierten das Fernsehbild des SPD-Chefs immer stärker, so daß der Führungsanspruch Becks immer stärker erodiert wurde.
Sehnsucht nach Führung war damit offenbar der Schlüssel für den Aufstieg Frank-Walter Steinmeiers zum Kanzlerkandidaten der SPD. Und genau hier lag in der Berichterstattung der Fernsehnachrichten auch die besondere Stärke des Außenministers. Im August weitete sich die Schere zwischen den Bewertungen der beiden Konkurrenten deutlich. Noch im Mai standen beide Politiker in der Kritik, aber im August wurde der Außenminister mit +0,04 auf der von -1 bis +1 reichenden MEDIA-TENOR-Skala deutlich besser bewertet als Kurt Beck, dessen Bewertung auf -0,1 sank.
Kurt Beck wurde aber nicht nur schlechter bewertet, er verlor auch im Blick auf seine Sichtbarkeit im August gegenüber Steinmeier deutlich an Boden. „Seit April berichteten die Fernsehnachrichten immer intensiver über Außenminister Steinmeier und im August lag er auch im Blick auf den Umfang der Berichterstattung erstmals vor Beck“, erklärt Roland Schatz, Chefredakteur und Gründer von MEDIA TENOR. Damit wurde immer deutlicher, daß die Journalisten des Fernsehens Steinmeier eine führende Rolle in der deutschen Politik zutrauen.
In seinem Amtsbereich konnte Außenminister Steinmeier dagegen nur selten Punkte sammeln. In den ersten acht Monaten des Jahres 2008 standen 4,7% kritischen Aussagen über Steinmeier in seiner Regierungsrolle nur 5,4% positive Aussagen gegenüber. Dennoch profitierte der Außenminister von dem Umstand, daß er häufiger als viele andere Spitzenpolitiker zu Wort kommt.
MEDIA TENOR beobachtet die Berichterstattung der tonangebenden Medien in Deutschland seit dem Jahr 1994. Für diese Studie wurden alle Ausgaben von ARD TAGESSCHAU und TAGESTHEMEN, ZDF HEUTE und HEUTE JOURNAL, RTL AKTUELL, BERLIN DIREKT, BERICHT AUS BERLIN, FAKT, KONTRASTE, MONITOR, REPORT MÜNCHEN, REPORT MAINZ, PANORAMA, PLUSMINUS und WISO sowie die 7-UHR-NACHRICHTEN DES DEUTSCHLANDFUNKS im Jahr 2008 ausgewertet. Dabei untersuchten die Researcher von Media Tenor 114.322 Aussagen über Parteien und Politiker.
| << zurück << | Zum Herunterladen der Ergebnisse bitte anmelden |