Ein Jahr nach dem Amtsantritt ist die Welt verblüfft, daß Barack Obama schon so bald niedrigere Zustimmungsraten als andere Präsidenten verbuchen muß. Vor allem das US-Fernsehen hob bereits kurz nach seiner Inauguration bei der Nachrichtenauswahl auf kritische Aspekte ab. Im Vergleich mit anderen US-Spitzenpolitikern profitierte Obama im Blick auf die Bewertungen nicht von einem Präsidenten-Bonus. Dies zeigt die aktuelle Auswertung des Zürcher Forschungsinstituts Media Tenor International. Obamas Prestige ging auch in den internationalen Medien zurück; dabei brachte der Friedensnobelpreis dem US-Präsidenten keinen nachhaltigen Schub für sein Image.
Obamas Wahl war weltweit begrüßt worden: In Europa und im arabischen Raum betrug der Überhang der positiven Berichte zu Anfang zwischen 30-50%. Aber die weltweite Finanzkrise mit ihren weitreichenden Folgen, setzte auch den US-Präsidenten massivem Druck aus, sowohl innenpolitisch als auch in seiner Rolle als Chef der größten Wirtschaftsmacht der Welt – Medien und Publikum hofften auf einen Wandel.
Ein Jahr später beträgt der Überhang der kritischen Nachrichten in den USA mehr als 20% und auch in Europa und im Nahen Osten überwiegen die kritischen Stimmen. Dies ist nach Ansicht von Roland Schatz, Gründer und Präsident von Media Tenor, auch kaum verwunderlich angesichts der übersteigerten Erwartungen. Dennoch erscheine die Kritik nicht ganz gerechtfertigt: „Wenn wir auf die Gesundheitsreform sehen, den Kurswechsel im Iran und das verbesserte Ansehen der USA im Ausland, dann hat Obama bereits viel erreicht. Das Problem liegt darin, daß noch weitere „dicke Bretter“ zu bohren sind, von Wiederaufschwung der Wirtschaft über den Krieg in Afghanistan bis zur Globalen Erwärmung – national und international.“
Ein weiterer interessanter Aspekt der Analyse ergibt sich aus der offenkundig von Obama verfolgten Strategie, für alle Probleme die Verantwortung zu übernehmen, obwohl er die meisten von der Vorgänger-Regierung geerbt hat. „Der Nexus zwischen den Problemen und der Bush-Regierung ist dramatisch zurückgegangen. Dies zeigt, daß Obama sich nicht herausgeredet oder mit dem Finger auf die Vorgänger-Regierung gezeigt hat. Tatsächlich hat er nicht nur die Regierungsgewalt sonder auch das moralische Erbe übernommen“, erklärt Roland Schatz. „Was Obama nun am wenigsten braucht, sind Vergleich mit der Amtszeit Jimmy Carters.“
Media Tenor International wertet die internationalen Fernsehnachrichten seit 2001 kontinuierlich aus. Für diese Analyse wurden zwischen Januar 2009 und Januar 2010 16.584 Beiträge über Obama in Nachrichtensendungen aus Deutschland, den USA, Großbritannien, Frankreich, Italien, Spanien, der Schweiz, dem Libanon, den VAE und Qatar ausgewertet. In den Nachrichten von ABC, CBS, NBC und Fox wurden im Jahr 2009 80.179 Aussagen über amerikanische Spitzenpolitiker analysiert.
| << zurück << | Zum Herunterladen der Ergebnisse bitte anmelden |
