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Merkels verzögerter Fehlstart
2010-01-29
Zürich, 29.1.2010: Vergleich der Medienbilder von Merkel und Schröder in den ersten 100 Tagen nach der Wahl

Zürich, 29. Januar 2010. Das Medienimage von Bundeskanzlerin Merkel in den wichtigen abendlichen TV-Nachrichten ist nach den ersten 100 Tagen ihrer Amtszeit auf einem Tiefpunkt angelangt. Nach einer abwartenden Haltung der TV-Nachrichtenformate von ARD, ZDF und RTL in den ersten sechs Wochen verschlechterten sich die Berichte über die Kanzlerin zunehmend. Ähnlich erging es allerdings auch Merkels Vorgänger Gerhard Schröder 2002. Auch Schröder erfuhr zu Beginn seiner zweiten Amtszeit zunächst viel Gegenwind seitens der Nachrichtenformate von Tagesthemen, Tagessschau, Heute Journal, Heute sowie RTL Aktuell.

Dabei startete Merkel in ihre zweite Amtszeit zunächst sogar besser als bei ihrem Amtsantritt im Jahr 2005, wo ihr Handeln in den ersten sechs Wochen noch mehr Skepsis als Optimismus hervorrief. 2009 nun waren die Medien zunächst so sehr mit der Analyse des Wahl-Debakels von Merkels schärfstem Konkurrenten, Steinmeier und seiner SPD, beschäftigt, so dass Merkel im Lichte dieser Nachrichtenlage nur besser aussehen konnte. Nach den schwierigen Koalitionsverhandlungen mit der FDP und der Kabinettsbildung war die Schonfrist dann allerdings vorbei: Die Medien beurteilten die Kanzlerin nun nach ihren Wahlversprechungen – und stellten ihr ein zunehmend kritisches Zeugnis aus. Waren zu Beginn ihrer zweiten Amtszeit die positiven Stimmen meist noch häufiger als die negativen, so beträgt der Überhang negativer Aussagen im Vergleich zu den positiven nach 100 Tagen inzwischen knapp 30 Prozent. Noch schlechter erging es zu Beginn seiner zweiten Amtszeit allerdings Gerhard Schröder, der damals gegen einen Überhang kritischer Stimmen von über 35 Prozent anzukämpfen hatte.

„Hier rächt es sich, dass dem politischen Neubeginn von Union und FDP kein schlüssiges Kommunikationskonzept zugrunde lag. Es fehlt die Kernbotschaft. Es fehlt die Richtungsansage. Der Regierungsstart wirkt wie Business as usual. Das überzeugt weder die Journalisten noch die Wählerinnen und Wähler“, so Professor Frank Brettschneider, Kommunikationswissenschaftler und Wahlforscher von der Universität Hohenheim.

Media Tenor untersucht die Berichterstattung über Parteien und Politiker in Deutschland kontinuierlich seit 1994. Für diese Analyse wurden insgesamt 18.177 Aussagen von oder über Angela Merkel oder Gerhard Schröder in ARD Tagesschau und Tagesthemen, ZDF Heute und Heute Journal sowie RTL Aktuell ausgewertet.

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