Zürich, 3. Februar 2010. Im Vergleich internationaler TV-Nachrichtensendungen berichten die britischen TV-Anstalten in ihren Abendnachrichten am intensivsten über Afghanistan, sogar noch deutlich häufiger als die US-Sender. In den französischen Abendnachrichten dagegen ist Afghanistan am seltensten der Hauptschauplatz eines Berichtes, obschon Frankreich hinter den USA, Großbritannien und Deutschland das drittstärkste Truppenkontingent stellt. Demgegenüber mißt sogar das Schweizer Nachrichtenformat SF Tagesschau Afghanistan größere Bedeutung zu, obwohl die Schweiz seit März 2008 keine Soldaten mehr vor Ort im Einsatz hat.
Eine Media Tenor-Analyse internationaler TV-Nachrichten mit dem Hauptbezugsgebiet Afghanistan ergab weiter, dass die Berichterstattung in den meisten Ländern seit Juli 2009 signifikant angestiegen ist und auf hohem Niveau blieb. Hintergrund ist im wesentlichen die Großoffensive der Alliierten im Juli und der damit verbundene erhebliche Anstieg der Opfer unter den NATO-Truppen und ihrer Schutztruppe ISAF. Die Präsidentschaftswahlen im August und die daran anschließende Debatte um Wahlbetrug spielte im Vergleich dazu eine deutlich geringere Rolle. Wie überhaupt innenpolitische Themen wie die innere Sicherheit oder die politischen Verhältnisse seltener angesprochen werden. Stattdessen prägen Terror-Anschläge, Militäroffensiven, gefallene Soldaten und Taliban-Kämpfer das Bild der TV-Nachrichten über Afghanistan.
Aber auch hier gibt es Unterschiede: Während die deutschen Nachrichtenformate sich sehr intensiv mit ihrem Truppenkontingent und Fragen nach der Länge des Einsatzes oder der Aufstockung der Truppen beschäftigen, stehen vor allem in den britischen Nachrichten die kriegerischen Auseinandersetzungen mit einem Anteil von fast 70 Prozent im Vordergrund. Die Bemühungen um diplomatische Lösungen gemeinsam mit der afghanischen Regierung finden hier kaum Gehör.
„Mit der Afghanistan-Konferenz in London hat sich dies zwar kurzzeitig geändert. Es bleibt allerdings abzuwarten, ob die Konferenz auch in den Medien einen ‚Wendepunkt´ bringt – wie es Außenminister Westerwelle für die Politik in Aussicht stellte. Man darf gespannt sein, ob die Berichte über das Land jetzt stärker die zivile Hilfe, den Aufbau der afghanischen Sicherheitskräfte oder die afghanische Regierungsführung im Blick haben als die Gewalt“, so Roland Schatz, Geschäftsführer von Media Tenor International.
Der Media Tenor-Analyse liegt die Untersuchung der Berichterstattung über Afghanistan zwischen dem 1.1.2008 und 31.12.2009 zugrunde. Für diese Analyse wurden insgesamt 5.659 Beiträge mit Afghanistan als Hauptbezugsgebiet in 20 internationalen TV-Nachrichtenformaten ausgewertet.
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